Zwar müssen die Gäste der SG Kirchhof in puncto Bundesliga-Aufstieg den Vortritt lassen, doch den zweiten Platz will die Truppe von Trainer Wolfgang Mosebach gegenüber der TSG Ketsch schon absichern. „Die Mannschaft ist auf Wiedergutmachung aus. Ich glaube schon, dass sie eine Trotzreaktion zeigen wird, auch wenn es gegen die starken Erfurterinnen geht“, legt Kyra Fischer doch eine gewisse Portion Optimismus an den Tag.
Dass es auch bei der TSG Leihgestern für ihre Mannschaft nichts zu holen gab, das führt die HSG-Co-Trainerin auch auf die frühe Verletzung von Caroline Brüllmann zurück. „Uns sollte ganz schnell der Schneid abgekauft werden, und das gelang dann auch. Die Attacke gegen Caro, die sich eine Beckenprellung zuzog und auch eine Art Schleudertrauma erlitt, hätte eigentlich eine rote Karte nach sich ziehen müssen“, wirft Kyra Fischer noch einmal einen Blick zurück. Die Spielführerin konnte am Dienstag nicht trainieren. Ihr Einsatz am Samstag ist genauso fraglich wie der von Marita Bauer (Magen- und Darmerkrankung). Die Truppe des in dieser Saison so leidgeprüften Trainers Gerhard Steck wird derweil bemüht sein, sich aus dieser alles andere als optimal verlaufenden Saison noch einigermaßen zu verabschieden.
Das dürfte kein leichtes Unterfangen werden, denn bei den HSG-Spielerinnen machen sich doch verständlicherweise Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Die immerhin schon 14. Saison-Niederlage droht also gegen die Erfurterinnen, gegen die es schon im Hinspiel eine deftige 21:34-Niederlage gab.
„Unsere Chancen sind zwar gering, aber warum sollten wir nicht einmal wieder für eine Überraschung sorgen können?“, fragt Co-Trainerin Kyra Fischer. Wahrscheinlich kann die Sieben von Trainer Steck bis auf Edina Rott komplett auflaufen. „Caroline Brüllmann, die eine Beckenprellung und ein Schleudertrauma zugezogen hat, geht es wieder besser“, sagt die Co-Trainerin.
Gerhard Steck war keinesfalls unzufrieden. Obwohl seine HSG Bensheim/Auerbach in der Zweiten Frauenhandball-Bundesliga Süd mit dem 27:32 (11:15) gegen den Tabellenzweiten TCH Erfurt-Bad Langensalza die vierte Niederlage in Serie bezogen hatte, lobte er seine Mannschaft: „Wir sind engagierter zu Werke gegangen als in den voraus gegangenen Spielen und waren bestrebt, an einem übermächtigen Gegner einigermaßen dran zu bleiben. Leider ist es uns beim Stand von 19:21 nicht gelungen, konzentrierter zu spielen.“
Stecks Kollege Wolfgang Mosebach gab zu, dass seine Mannschaft „größere Anlaufschwierigkeiten wie gedacht hatte.: Wir hatten dann den Gegner zwar einigermaßen im Griff, doch im Gefühl des sicheren Sieges hat bei uns immer wieder die Konzentration nachgelassen, so dass es Bensheim/Auerbach stets schaffte, seine Linie zu finden. Letztlich haben wir aber verdient gewonnen“.
Die Gastgeberinnen brauchten sich am Samstag in der Weststadthalle gegen den Favoriten nicht zu verstecken, hielten wacker dagegen. Doch stets, als die HSG den Erfurterinnen bedrohlich nahe gekommen war, schlichen sich Unzulänglichkeiten ein, die letztlich einen Punktgewinn verhinderten.
So setzten sich immer wieder Marita Bauer und Isabell Nagel gekonnt in Szene. Aber auch Anna Miszczyj gelangen von der Rechtsaußenposition drei schöne Treffer. Sicherlich wäre für die Steck-Sieben ein knapperes Resultat möglich gewesen, auf der anderen Seite verhinderten aber auch die sicheren Bensheim/Auerbacher Torhüterinnen sowohl das Torholz (gleich neun Mal) noch mehr Gegentore.
Die Gastgeberinnen begannen erstaunlich selbstbewusst. Man spürte förmlich, dass sie die jüngsten, zum Teil doch recht enttäuschenden Vorstellungen vergessen machen wollten. Nicht zuletzt dank der starken Isabell Nagel ag der Außenseiter gar die 5:3-Führung (13.). Doch schnell hatten die routinierten und cleveren Erfurterinnen den Spieß umgedreht. Zwar brachte Nicole Schwarz die HSG auf 9:11 heran (26.), doch der THC Erfurt ging mit einem komfortablen 15:11-Vorsprung in die Pause.
Bensheim/Auerbach tat in Durchgang zwei weiter alles dafür, um die 14. Saison-Niederlage zu verhindern. Auch nach dem 15:21 (38.) gab die Mannschaft nicht auf, was vier Tore in Folge zum 19:21 (43.) unter Beweis stellten. Nach dem 21:27 (48.) kam das Steck-Team auf 25:28 durch Marita Bauer (53.) heran. Letztlich waren aber die Aufholjagden umsonst.
Für die HSG spielten: Barbara Mildenberger, Ursula Pauly (Tor); Stefanie Pietsch, Anna Miszczyj (3), Ina Gottschalk, Isabell Nagel (6/2), Caroline Brüllmann (5/1), Nicole Schwarz (5/3), Susanne Eichler, Deniz Sagir, Marita Bauer (7), Melani Marcantonio (1).
Schiedsrichterinnen: Ehrmann/Künzig (Karlsruhe/Odenthal). – Zeitstrafe: Gottschalk (HSG). – Zuschauer: 400.
Konkreter wurde da Kyra Fischer, die aber auch keine Namen nennen wollte, allerdings für morgen eine DHB-Junioren-Nationalspielerin für ein Probetraining ankündigte. Insgesamt gibt es derzeit drei Kandidatinnen, die eventuell bald das HSG-Trikot tragen werden. „Ich bin jedenfalls guter Dinge, dass wir bald die eine oder andere Neuverpflichtung bekannt geben können“, sagte die HSG-Co-Trainerin.
Kyra Fischer erwartet auch die Rückläufe der Spielerinnenverträge, die von Barbara Mildenberger, Isabell Nagel, Franziska Semmler, Melani Marcantonio, Steanie Pietsch, Deniz Sagir und Edina Rott möglichst schnell unterzeichnet werden sollen.
Edina Rott bestätigte am Samstag indes, „dass sie in dieser Runde nicht mehr für die HSG spielen werde.“ Sie wird in der Spielzeit 2004/05 zusammen mit Marcus Essinger die in der Landesliga Süd beheimatete zweite Frauen-Mannschaft der HSG Bensheim/Auerbach trainieren. „Ich habe nicht lange überlegen müssen, ob ich diesen Trainerjob als Nachfolgerin von Sergej Rybakov (zu HC VfL Heppenheim) annehmen soll. Ich freue mich schon jetzt riesig auf die reizvolle Aufgabe“, erklärte die ehemalige ungarische Nationalspielerin.
Nicht ganz nachvollziehen konnte derweil Gerhard Steck, warum die Bundesliga-Schiedsrichterinnen Ehrmann und Künzig – wie seine Spielerinnen auch – für die Partie gegen Erfurt in grauen Trikots aufliefen und so seiner Ansicht nach für Verwirrung sorgten. „Da gab es den einen oder anderen technischen Fehler und unsicheren Pass in unseren Reihen, der vielleicht darauf zurückzuführen ist“, gab der Trainer zu bedenken.
Noch drei Punktspiele stehen für die HSG Bensheim/Auerbach an. Am kommenden Sonntag (9.) geht es zu Frisch Auf Göppingen, am Samstag (15.) kommt die abstiegsbedrohte TSG Ober-Eschbach. Danach laden die Spielerinnen des Bensheimer Zweitligisten zur Saison-Abschlussfeier in den Bürgerraum der Weststadthalle ein. Das letzte Spiel geht dann eine Woche später bei TuS Metzingen über die Bühne.
Sicher auch um die Zweitliga-Truppe geht es am Donnerstag (6.) ab 20 Uhr im TSV-Vereinsheim Weiherhaus im Rahmen der Vollversammlung der HSG Bensheim/Auerbach.