„Wir müssen versuchen, endlich zu unseren Qualitäten zu finden. Ein Pflichstieg muss einfach her“, forderte HSG-Trainer Gerhard Steck. Der müsste realisierbar sein, denn der Dreizehnte hat aus seinen sechs Heimspielen noch keinen Punkt geholt, und auch in der vergangenen Saison landete die HSG bei der Truppe von Trainerin Hannelore Koch einen 25:23-Sieg landen.
Entwarnung gab es bei Anna Miszczyi, die sich gegen Göppingen den kleinen Fingerr an der linken Hand (ihre Wurfhand) nicht gebrochen, sondern „nur“ ausgekugelt hat. „Ob sie jedoch spielen kann, ist noch lange nicht sicher. In dieser Woche ist die Anna auf jeden Fall krankgeschrieben“, so Co-Trainerin Kyra Fischer.
„Wenn wir gegen diese Mannschaft nicht gewinnen, gegen wen dann sonst noch. Wir haben uns jetzt auf das Minimalziel, zumindest die hinter uns stehenden Mannschaften zu bezwingen, festgelegt. Wenn alles einigermaßen läuft, dann sollte in Ober-Eschbach eigentlich auch nichts passieren“, übte sich Kyra Fischer gestern doch noch etwas in Zurückhaltung. Passiert ist ja zuletzt einiges. Am gestrigen Freitag war Anna Miszczyi trotz ausgekugelten kleinen Fingers an der linken Hand zwar wieder im Training, doch ihr Einsatz stand keineswegs fest.
Noch nicht abgeklungen ist auch die Bronchitis von Bensheims Spielführerin Caroline Brüllmann, und Ina Gottschalk konnte im Laufe der Woche wegen einer Gehirnerschütterung nicht trainieren. Und womöglich fehlt auch bei der TSG Ober-Eschbach Melani Marcantonio – wie schon gegen Frisch Auf Göppingen – wegen eines gebrochenen Fingers.
„Hinter diesen vier Spielerinnen steht sicherlich noch ein Fragezeichen, doch der Trend geht dahin, dass sie letztlich doch dabei sind“, zeigte sich die HSG-Co-Trainerin zumindest in dieser Hinsicht optimistisch.
Unterdessen hat es am Dienstag eine Art „Krisengespräch“ gegeben. „Hierbei sind doch einige Dinge zur Sprache gekommen, das war ganz gut. Vor allem wurden einmal die Fehler von den Spielerinnen, dier einfach den Kopf frei bekommen müssen, analysiert“, wusste gestern Kyra Fischer zu berichten. So gab es denn auch erst einmal zwei Trainingseinheiten ohne Handball: am Dienstag Lauftraining und einen „Geschicklichkeits-Marathon“ (Tennisbälle werfen etc.) und gestern der Besuch der Kartbahn in Hemsbach. „Es galt einmal Abstand zu gewinnen – auch vom Handball“, meinte die Co-Trainerin gestern.
Zwar riss der kommende Gegner in fremden Hallen bislang keine Bäume aus (4:8 Punkte), doch wie stark die Truppe von Trainer Jürgen Krause ist, zeigt alleine die Tatsache, dass sie mit derzeit 14:0 Punkten die stärkste Heimmannschaft in der Zweiten Bundesliga ist.
Sie hatten sich so viel vorgenommen, die Zweitliga-Handballerinnen der HSG Bensheim/Auerbach. Mit einem Sieg im Hessenderby bei der TSG Ober-Eschbach sollte das Polster zu den Abstiegsrängen vergrößert werden und zugleich etwas für das Selbstvertrauen getan werden. Schließlich hat Ober-Eschbach - bis dato Tabellenvorletzter - in eigener Halle noch keinen Punkt geholt und immer wieder spielerische Offenbarungseide geleistet.
Doch zum Schrecken der mitgereisten HSG-Fans waren es diesmal die Bensheim/Auerbacherinnen, die vor allem in der zweiten Hälfte kaum einen Stich machten. Am Ende stand eine ärgerliche, gar blamable 21:26 (14:12)-Niederlage, die nochmals unterstreicht, vor welch schweren Monaten die HSG steht.
"Wir waren heute ein dankbarer Gegner für Ober-Eschbach. Es war sicherlich nicht so, dass die TSG stark gespielt hätte. Nur wir waren noch schlechter", ärgerte sich Bensheims Trainer Gerhard Steck maßlos über die Vorstellung seiner Schützlinge. Dabei brachten ihn und seine Co-Trainerin Kyra Fischer vor allem die technischen Fehler und Abspiele ins Nirgendwo zur Weißglut. 28 Ballverluste notiert die Statistik in dieser Kategorie - für einen Zweitligisten ohne Frage zu viel.
"Die Spielerinnen hatten sich viel vorgenommen, aber irgendwann hat sie dann der Mut verlassen. Dabei sah es bis zur Pause noch ganz gut aus, wir führten schließlich mit zwei Treffern", so Gerhard Steck. Bensheim/Auerbach lag zwar schnell 1:3 zurück, fand danach aber ins Spiel und glich schnell zum 3:3 (11.) aus. Kurz vor dem Seitenwechsel verschaffte sich die HSG vom 10:10 über 12:10 bis zum 14:12 eine knappe Führung.
Was aber nach dem Seitenwechsel passierte, war für viele aus der Steck-Truppe wie ein schlechter Traum: Bereits in den ersten fünf Minuten gelang Bensheim/Auerbach kein Treffer, Ober-Eschbach machte aus dem Zwei-Tore-Rückstand eine 15:14-Führung. Von da an übertrafen sich beide Mannschaften im Auslassen bester Chancen, das Spiel stand auf des Messers Schneide und insgesamt schwachem Niveau. Neun Minuten vor der Schlusssirene markierte Anna Miszczyj den Anschlusstreffer zum 21:22.
Ein Fehler-Festival
"Da war noch alles drin", so Gerhard Steck. Aber die nächsten neun (!) Angriffe schlossen die Bensheimerinnen ohne Erfolg ab, spielten zum Teil dem Gegner den Ball noch in die Hände. "Da haben einige Spielerinnen Fehler gemacht, die ich einfach nicht verstehen und akzeptieren kann", war Gerhard Steck mit seinem Latein am Ende: "Sicherlich, Anna Miszczyj hat mit einem ausgekugelten, Melani Marcantonio mit einem gebrochenen Finger gespielt und Caroline Brüllmann war nach ihrer Krankheit noch immer nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Das hat schon an der Mannschaft gezehrt. Aber dennoch darf man nicht so viele Fehler fabrizieren."
Die TSG Ober-Eschbach nahm die Einladung zum ersten Heimsieg natürlich gerne an. Nach dem 21:22 durch Miszczyj blieben die Gastgeberinnen zwar auch vier Angriffe ohne Treffer, aber in den letzten fünf Minuten machten sie dann doch noch den Sack zu, gewannen klar mit 26:21.
"Wir haben heute die Möglichkeiten, die uns mit beiden Händen geboten wurden, nicht genutzt. Wir hätten nach der Pause mit etwas kühlem Kopf agieren müssen. Aber stattdessen haben wir uns in eine ganz gefährliche Situation rein manövriert", blickt Steck mit gemischten Gefühlen den nächsten Aufgaben entgegen. Für nach dem kommenden Training hat er bereits eine Aussprache im Mannschaftskreis angekündigt. "Ich hatte den Eindruck, dass einige Spielerinnen noch nicht verstanden haben, um was es bei uns geht. . ."
HSG Bensheim/Auerbach: Ursula Pauly, Barbara Mildenberger - Anna Miszczyj (4), Caroline Brüllmann (1), Franziska Semmler (3), Deniz Sagir (n.e.), Susanne Eichler (n.e.), Ina Gottschalk (1), Andrea Panke (6/2), Melani Marcantonio (1), Steffi Pietsch (n.e.), Isabell Nagel (5/2).