Für beide Mannschaften ging es in diesem Hessenderby um die letzte Chance für eine Teilnahme an den Play-Offs. Das für die Gäste glückliche Unentschieden wurde wie ein Sieg gefeiert, doch das 31:31 hat 2 Verlierer: mit diesem Unentschieden können nun beide Teams ihre Hoffnungen auf einen Platz unter den Top 4 wohl endgültig begraben.
Die Gäste aus dem Bad Homburger Vorort Ober-Eschbach erwischten den besseren Start. Jonna Jensen erzielte das 0:1. Es sollte die einzige Führung der Taunusstädter in der Begegnung bleiben. Die HSG konnte mit schnellen Gegenstößen die Gäste gut unter Kontrolle bringen und bis zu 4 Tore in Führung gehen. Bei 3 Tempogegenstößen wurde die dem Gegner enteilte Mara Friton gefoult. TSG Spielerin Viktoria Grebe kam dabei mit einer Zeitstrafe noch glücklich davon, hatte aber in der Folgezeit das Bergsträßer Publikum gegen sich.
Isabell Nagel spielte trotz einer Grippeschwächung, die man ihr in einigen Situationen deutlich ansehen konnte. Die HSG kontrollierte das Spiel und konnte die Gäste immer auf Distanz halten. Wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff setzte Sandra Kleinjung einen Tempogegenstoß noch an den Pfosten, bevor es mit 18:16 in die 10 minütige Spielunterbrechung ging.
Ohne "Durchhänger" starteten die Gastgeber im zweiten Spielabschnitt. Tor um Tor wurde die Führung ausgebaut und als 25:18 durch Claudia Schückler von Rechtsaußen (38.) fiel, roch es nach Vorentscheidung. Auch als Katja Lehmann 9 Minuten später das 29:24 markierte, war die HSG noch eindeutig auf der Siegerstraße. Doch allzu leichtfertig, unkonzentriert und v.a. ohne Kampfgeist, verspielte die HSG den deutlichen Vorsprung. Bereits 5 Minuten später (52.) erzielte Gina Duketis den Anschlusstreffer zum 29:28.

Die letzten, äußerst dramatischen, Minuten der Begegnung im Detail. Jonna Jensen wirft für die Gäste, in der 57. Spielminute, mit dem 30:30 erstmals seit dem 3:3 (5.) den Ausgleich. Im Gegenangriff erzielt Katja Lehmann am Kreis die erneute Führung für die HSG. Der Angriff der Gäste bleibt an der, gerade in der Schlussphase, starken Eva Giron-Timmler im Tor der HSG hängen. Die Gastgeber wiederum können die Chance zum Entscheidungstreffer 20 Sekunden vor Abpfiff nicht nutzten. TSG Co-Trainer Ralf Becker - er vertrat an diesem Abend Eberhard Lang - zieht die grüne Karte: Auszeit - 16 Sekunden vor Schluss. Seine Mannschaft läuft nun mit 7 Feldspielern auf den Platz. Alles oder Nichts lautet die Devise. Jutta Neuheiser kommt mit dem grünen Leibchen auf Rechtsaußen. Ober-Eschbach spielt geschickt die Überzahl aus, der Ball kommt auf Jutta Neuheiser. Sie nimmt sich diesen Wurf und erzielt - allerdings regelwidrig (siehe Photo) - das 31:31. Die HSG bringt den Ball schnell nach vorne zum Anwurf. Mara Friton spielt auf Isabell Nagel, die sich des leeren gegnerischen Tores bewusst ist. Sie wirf den Ball in Richtung Tor. Auf halbem Weg ins Tor ertönt das Signal zum Spielzeitende vom Zeitnehmertisch. Der Ball geht ins Tor. Der Torschiedsrichter gibt das Tor, der Feldschiedsrichter nicht. Ein kurzes Gespräch mit Zeitnehmer und Sekretär, eine kurze Beratung der beiden Schiedsrichter und dann die Entscheidung: kein Tor. Jubel bei den Gästen, wirkungslose Proteste und Fassungslosigkeit bei der HSG.
Neben Mara Friton, die in der ersten Spielhälfte alle ihre 4 Treffer erzielte, gefiel auf Seiten der HSG vor allem noch Melani Marcantonio im ersten Spielabschnitt. In der zweiten Hälfte kam dann Katja Lehmann durch gute Anspiele an den Kreis zur Wirkung.
Bei den Gästen dagegen überzeugte vor allem Gina Duketis: Im Angriff war sie die erfolgreichste TSG Spielerin und in der Deckung konnte sie Edina Rott durch eine kurze Deckung wirkungsvoll ausschalten.
Wieder einmal hat die HSG, die in dieser Saison alle großen Mannschaften der Liga bezwingen konnte, einen Punkt unnötig verschenkt.
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Aus der Pressekonferenz
Ralf Becker (Co-Trainer TSG Ober-Eschbach)
"In meinen Augen ist die Punkteteilung am Ende doch gerecht. Wir haben zwar kein sehr schönes, aber ein hochspannendes Zweitligaspiel gesehen. Für mich war sehr positiv, dass wir hier, obwohl wir mit starker personeller Unterbesetzung antreten mussten, in der zweiten Halbzeit nochmal ein Rückstand von vier fünf Toren aufgeholt haben und uns rangekämpft haben. Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, dass sie sich da nicht hat hängenlassen, sondern sich nochmal gezeigt hat und die Fehler der Gäste [Gastgeber] ausgenutzt hat. Und am Ende, wie gesagt, der Punkt in meinen Augen verdient."
Thorsten Schmid (HSG Bensheim/Auerbach)
"Ich musste erst einmal duschen, weil mir jetzt immer noch auch die Worte fehlen.
Ich denke, dass wir im Angriff phasenweise sehr gut gespielt haben und auch das gezeigt haben was wir da auch können. Nur man muss halt ganz klar sehen, dass wir in der Abwehr heute einfache Fehler gemacht haben, zu viele einfache Übergabe /Übernahme-Geschichten nicht gestimmt haben, die es dann Ober-Eschbach immer wieder ermöglicht haben, einfache Tore aus dem Kreis oder aus dem Rückraum zu erzielen.
Schlussendlich muss man halt sagen, die Mannschaft aus Ober-Eschbach hat vielleicht ein bisschen mehr um den Punkt gekämpft und ihn dann mit Sicherheit auch verdient."
Frage von R. Schwinn (B/A) "zum Nervenkostüm in der Endphase der Spiele"

"Wenn man den Rundenverlauf sich einfach mal vor Augen führt, hat diese Mannschaft die heute auch fast wieder 60 Minuten auf dem Platz gestanden hat, in jedem Spiel der bisher 22, 23 Spiele fast alle Spiele durchspielen müssen. Ich denke dass auch gerade in der Phase, in der wir uns jetzt befinden, ein deutlicher Kräfteverschleiß erkennbar ist. Hinzu kommt natürlich, dass mit Isabell Nagel (Photo) eine Spielerin, die sehr entscheidend auch für diesen Erfolg beitragen muss, sie die ganze Woche krank war und dann im Endeffekt da einige Entscheidungen, nicht unbedingt mangels Konzentration, sondern weil einfach die Kräfte fehlen, deshalb werden halt einige Entscheidungen falsch getroffen und deshalb können wir am Ende den Vorsprung den wir uns phasenweise rausarbeiten, nicht halten."
Für die HSG spielten
Eva Giron-Timmler und Susanne Schulz (für ein 7m) im Tor
Stefanie Egger (n.e.), Mara Friton 4, Sandra Kleinjung 2, Katja Lehmann 6, Melani Marcantonio 4, Isabell Nagel 6/2, Edina Rott 2, Olga Savanyu 1, Claudia Schückler 4, Petra Streb 2.
Für die TSG Ober-Eschbach spielten
Eva-Maria Klaßen und Ann Cathrine Müller im Tor
Gina Duketis 8/2, Katja Wittmann, Jonna Jensen 7, Jutta Neuheiser 2, Sophie Wünscher, Natliia Holdowanska 4/2, Steffi Haitsch 3, Viktoria Grebe 5, Bianca Volk 2.
Strafwürfe
HSG: 3 (1x verworfen Rott)
TSG: 5 (1 Wurf von Holdowanska gehalten von Giron-Timmler)
Zeitstrafen
HSG: Streb 2x, Rott, Friton, Schückler
TSG: Duketis, Grebe, Holdowanska 2x, Jensen 2x
Schiedsrichter
Hilfinger, Kroner (Ulm/Senden)
Spielverlauf
3:3 (4.), 6:3 (8.), 9:5 (14.), 9:7 (15.), 10:9 (16.), 12:11 (21.), 15:12 (24.), 17:13 (26.), 17:16 (29.), 18:16 (30. Halbzeitstand)
20:17 (34.), 25:18 (38.), 25:20 (39.), 27:22 (42.), 29:24 (47.), 29:28 (52.), 30:30 (57.), 31:30 (57.) 31:31 (60. Endstand)
Zuschauer
ca. 400