Hochdramatisches Achtelfinale geht in die Verlängerung
Beide Mannschaften trafen in dieser Begegnung zum ersten mal aufeinander. Die beiden Zweitligisten liegen in der jeweiligen Tabelle knapp unterhalb der Plätze, die für die Qualifikation zu den Ausscheidungsspielen berechtigt. Ein Spiel, das deshalb sicherlich auch zum Leistungsvergleich der beiden Ligen dienen kann.
Es war sicherlich kein hochklassiges Spiel, das beide Mannschaften im Achtelfinalspiel des DHB-Pokals ablieferten. Zu groß die Nervosität auf beiden Seiten und viele individuelle Fehler, die sich vielleicht durch die dreiwöchige Weihnachtspause erklären lassen. Doch was an spielerischem Niveau fehlte, das wurde durch Spannung mehr als kompensiert.

Während die Gäste kurzfristig auf Anja Memenga (Magen/Darm-Grippe) und Monic Burde (Verdacht auf Bänderriss) verzichten mussten, fehlte bei den Flames nur Eva Giron-Timmler. Conny Schmid konnte nach ihrer Meniskusoperation Anfang Dezember erstmals wieder an einem Spiel teilnehmen.
Recht ausgeglichen begann die Partie. Auf beiden Seiten war die Nervosität er Spielerinnen an der recht hohen Zahl technischer Fehler deutlich zu erkennen. Die Chancenverwertung war bei beiden Mannschaften eher lausig. Die Gastgeber kamen im Angriff mit der aggressiven 5:1 Deckung der Gäste, mit Ina Wildhagen auf der 1, überhaupt nicht zurecht. Eine Folge davon: Der Rückraum der Flames war an diesem Tag fast völlig abgemeldet. Also suchte man - und das durchaus mit Erfolg - den Weg über den Kreis und die schnellen Außen. Im Gegensatz dazu fanden die Bälle der groß gewachsenen Rückraumspielerinnen aus Celle häufig ihr Ziel im Tor der HSG. Allen voran Katrin Loyek. Die wurfgewaltige Linkshänderin bekamen die Flames kaum unter Kontrolle. Die 24 jährige Studentin war es denn auch, die in der 18 Spielminute erstmals einen 2 Tore Vorsprung zum 6:8 für Celle erzielte. Sofort danach die Auszeit von Ildiko Barna. Doch im Gegensatz zu den letzten Ligaspielen änderte die grüne Jokerkarte dieses mal nicht viel am Spielverlauf. 10 Minuten später erzielte Susanne Büttner per Tempogegenstoß gar das 10:13 für die Niedersachsen. Vor dem Pausenpfiff verkürzte Stefanie Egger vom Kreis zum 11:13 Halbzeitstand.
Nach der Pause kämpfte sich die HSG durch Claudia Schückler, die vor allem im zweiten Spielabschnitt zu überzeugen wusste, von Rechtsaußen zum 14:14 Ausgleich. Als jedoch im Gegenzug Olga Savanyu für 2 Minuten den Platz verlassen musste, war die Aufholjagd jäh zu Ende. Durch einen Doppelschlag von Waleria Galouza und einen Treffer von Katrin Loyek lag Celle wieder 3 Treffer vorne. Doch die HSG kämpfte sich langsam wieder heran. Wohl auch, weil die Kräfte der Gäste nachließen. Gästetrainer Martin Kahle standen nur wenig Alternativen zu Verfügung. Auch seine Auszeit nach dem 19:20 Anschlusstreffer von Olga Savanyu nutzte nicht viel. Claudia Schückler markierte kurz danach das 20:20. Als dann Stefanie Egger 2 Minuten vor dem regulären Spielende per Siebenmeter das 23:21 für die Flames erzielte, hätten die Bergsträßerinnen eigentlich den "Sack zumachen" müssen. Doch da fehlte es an Cleverness, Glück und wohl auch Nervenstärke. 68 Sekunden vor dem Abpfiff beim Stande von 23:22 scheitert Stefanie Egger per Siebenmeter an Turid Arndt und die in Unterzahl spielenden Gäste markieren im Gegenzug den Ausgleichstreffer - natürlich durch Katrin Loyek aus dem Rückraum.
3 Sekunden vor dem Abpfiff hat Edina Rott die Chance die Verlängerung zu verhindern, doch ihr Aufsetzer aus dem Rückraum landet am rechten Pfosten. Also doch Verlängerung.
Es war zu erwarten, dass die gute Kondition der Flames und die fehlenden Auswechselalternativen für Martin Kahle in der Verlängerung den Gastgebern zu Gute kommen würde. So kam es denn auch. Claudia Schückler, im zweiten Spielabschnitt und der Verlängerung zusammen mit Laura Glaser beste Spielerin der Flames, hielt die Gäste mit 2 Treffern auf einer 2 Tore Distanz. Als Mara Friton dann 18 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung einen Abpraller abfing und per Heber von Rechtsaußen zum 28:26 traf, war die Partie endgültig entschieden.
Beste Spielerinnen bei der HSG: In der ersten Halbzeit Laura Glaser und Stefanie Egger und in der 2. Halbzeit+Verlängerung Laura Glaser und Claudia Schückler. Auf der Seite der Gäste wusste vor allem Katrin Loyek zu überzeugen. An der Siebenmeterlinie scheiterte sie allerdings 2 mal an der 16 jährigen Laura Glaser.
Die HSG ist nun erstmals seit langer Zeit wieder im Viertelfinale des DHB-Pokals. Zwei Wunschgegner wurden nach dem Spiel am häufigsten genannt: Die HSG Sulzbach/Leidersbach und Frisch Auf Göppingen. Und wenn Fortuna es gut mit der HSG meint, dann natürlich noch in eigener Halle.
Mit Celle gibt es vielleicht im Mai ein Wiedersehen - wenn die Ausscheidungsspiele um den Aufstieg in die 1. Bundesliga stattfinden. Das kann Fortuna aber nicht entscheiden. Da müssen sich beide Mannschaften nach der gezeigten Leistung noch ein guten Stück steigern.

Aus der Pressekonferenz
Martin Kahle (SVG Celle)
Der Trainer der Gästemannschaft machte seiner Mannschaft keine Vorwürfe, da er auch nur über 7 Feldspieler verfügen konnte. Mit der Abwehrleistung war er zufrieden. Im ersten Spiel des neuen Jahres fehlte es seiner Meinung nach an der kämpferischen Leistung. Das Ergebnis wäre für die HSG glücklich, aber er könne damit leben.
Ildiko Barna (Flames)
Beide Mannschaften wären noch nicht in Form gewesen. Die Flames hätten kein schönes Spiel abgeliefert. Zu viele technische Fehler hätten es Celle leicht gemacht die Führung zu übernehmen. Mit der aggressiven 5:1 Deckung der Gäste wäre ihre Mannschaft überhaupt nicht zurecht gekommen. Im zweiten Spielabschnitt hätte ihr Team mit der 6:0 Deckung besser gestanden. Ein Unentschieden wäre ihrer Meinung nach gerechter gewesen. In der Verlängerung hätte die HSG die bessere Kondition gehabt. Celle war für Barna ein Gegner mit vielen jungen Talenten, ähnlich wie ihre Mannschaft. Das Spiel hätte ihr durchaus Spaß gemacht, wenn es nicht so aufregend gewesen wäre.
Beim nächsten Heimspiel gegen Metzingen müsse ihr Team sich aber noch deutlich steigern.
Beide Trainer konnten auf die Frage der Presse nach einem Leistungsunterschied zwischen 2. Liga Nord und 2. Liga Süd, keinen gravierenden Unterschied feststellen. Barna, die sich auch in der Nord-Liga sehr gut auskennt, attestierte den jeweils ersten 5 Mannschaften jeder Liga gleiches spielerisches Niveau.
Für die Flames spielten
Laura Glaser (1.-60.) und Weena Ghosh (n.e.) im Tor
Stefanie Egger 6/1, Mara Friton 3, Sandra Kleinjung, Antje Lauenroth 2, Melani Marcantonio 1, Isabell Nagel 6/4, Edina Rott 2, Olga Savanyu 2, Conny Schmid, Claudia Schückler 5, Petra Streb 1.
Für die SVG Celle spielten
Turid Arndt und Luisa Grimm (für 2 Siebenmeter) im Tor
Nina Sass 4, Inga Trautmann, Katrin Loyek 11, Anja Grüneberg, Anne Kinscher,
Waleria Galouza 3, Susanne Büttner 2, Ina Wildhagen 3.
Strafwürfe
Flames: 7/5 Rott trifft die Latte, Egger scheitert an Arndt
Celle: 2/0 Loyek scheitert 2x an Glaser
Zeitstrafen
Flames: Egger, Nagel und Savanyu je 1x 2 min
Celle: Wildhagen, Loyek und Trautmann je 1x 2 min; Galouza 2x 2min
Schiedsrichter
Frank Kaiser und Marc Schmitz (Linkenheim/Eggenstein)
Spielfilm
Details zum Spielverlauf bei SIS-Handball
Zahlende Zuschauer
259