Aus der Traum - zuviel Angst vor der eigenen Courage

HSG Bensheim/Auerbach - Buxtehuder SV 22:30 (11:15)

Die Rollenverteilung war eigentlich schon zu Beginn des Spieles klar. Bensheim/Auerbach ging als Außenseiter in diese Partie. Die höherklassigen Gäste mussten allerdings auf Nationalspielerin Stefanie Melbeck verzichten, die sich am letzten Mittwoch im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg verletzte. Seit vielen Jahren kam die HSG im DHB-Pokal nicht mehr so weit, wie in dieser Saison und die Chance auf eine Teilnahme bei den Final-Four in Riesa war durchaus gegeben.

 

Die ersten Spielminuten gehörten den Gastgeberinnen. Edina Rott brachte mit zwei Toren in Folge die HSG in Führung und es dauerte knapp fünf Spielminuten, bis die Gäste per Siebenmeter erstmals einen Torerfolg verbuchen konnten. Isabell Nagel, an der Siebenmeterlinie in der Liga mit einer Quote von 93 % (40 von 43) die Zuverlässigkeit in Person, scheiterte bereits in ihrem ersten Versuch in der 7. Spielminute am Debbie Klijn und kam in der Folgezeit im Angriff gegen ihre zukünftigen Mannschaftskameradinnen nicht recht ins Spiel. Sie hatte sich sicherlich an diesem Nachmittag einiges vorgenommen, doch letztlich zu sehr selbst unter Druck gesetzt. Überhaupt konnte man in diesem Spiel sehen, dass Ildiko Barnas, in den letzten Wochen oft wiederholten, Worte: „Die Mannschaft ist noch gar nicht reif für die 1. Liga“, keine falsche Bescheidenheit sind. Einige Leistungsträger waren dem Druck ganz offensichtlich nicht gewachsen. Positiv dagegen wie agil und frech Sandra Kleinjung in der Abwehr ganz wichtige Bälle vom Gegner abfing, so beispielsweise 2x in doppelter Unterzahl, als Rott und Marcantonio ihre Zeitstrafen absaßen (15.) und die HSG dadurch nur einen Gegentreffer bekam und selbst einmal traf. Doch kaum war die HSG wieder vollzählig, zogen die Gäste aus dem Norden davon. Nach ca. 20 Spielminuten wechselte Barna Stefanie Egger ein. Sie konnte am Kreis einige wichtige Akzente setzen und sich gut gegen die robuste und großgewachsene Deckung der Gäste durchsetzen. Als sie in der 23. Spielminute einen Tempogegenstoß lief, wurde sie von der übermotivierten Anja Neumann eingeholt und von hinten gefoult. Der Griff der beiden Unparteiischen in die Gesäßtasche beendete folgerichtig für Neumann das Spiel vorzeitig. 10:15 hieß es kurz vor dem Halbzeitpfiff, als Egger den 11:15 Pausenstand erzielte.

 

Im zweiten Spielabschnitt setzten die Flames zunächst das um, was ihnen ihre Trainerin in der Pause vermittelte. Tor für Tor wurde aufgeholt und als Stefanie Egger bei Stande von 16:17 einen Tempogegenstoß lief, hatte sie den psychologisch wichtigen Ausgleichstreffer in der Hand - doch sie scheiterte an Debbie Klijn. Danach gab es einen Bruch im Spiel der HSG, die sechs Minuten ohne Torerfolg blieb, aber vier Gegentreffer einstecken musste. Das 18:24 (46.) durch Susane Henze war dann auch schon die Vorentscheidung. Die HSG kam zwar noch einmal bis auf drei Treffer heran (49.), doch die letzten zehn Minuten gehörten fast ganz den Gästen. Buxtehude gewann verdient mit 22:30, allerdings ein paar Tore zu hoch gegen eine HSG, die an diesem Tag sicherlich unter ihren Möglichkeiten spielte.

 

Aus der Pressekonferenz

Heike Axmann

Die Zuschauer hätten ein spannendes gesehen. Der aktuelle Tabellenstand ihrer Mannschaft sei zur Zeit wenig glücklich, aber der Gewinn sei wichtig für die letzten drei Spiele ihres Teams, damit man wieder lernt zu gewinnen. Aus der Abwehr heraus hätte Buxtehude im ersten Spielabschnitt Tempogegenstöße gelaufen. Ein Tabellenzweiter aus der 2. Liga sei leistungsmäßig von einem Tabellenneunten der ersten Liga nicht weit entfernt. Sie bedankte sich bei ihren treuen Fans für die weite Anreise.

 

Ildiko Barna

Sie war von dem Ergebnis enttäuscht. Die Mannschaft hätte einen Traum gehabt, der nun geplatzt sei. Ihre Spielerinnen hätten Angst vor der eigenen Courage gehabt. Nur die ersten zehn Minuten hätte ihr Team gut gespielt. Susanne Henze wäre im Angriff gut gestört worden, aber dann hätten die Flames nicht weiter konsequent genug gespielt. Zu viele technische Fehler wären passiert und die Aufgaben, vor die der Buxtehuder Angriff die Flames stellte, wurden nicht gut gelöst. Nach der Auszeit in der ersten Halbzeit wäre ein Ruck durch die Mannschaft gegangen und auch der Torwartwechsel hätte etwas geholfen. Im zweiten Spielabschnitt hätte Buxtehude noch mehr Tempo ins Spiel gebracht und mit Gegenstößen die HSG überlaufen. Zu viele Bälle wären nicht gefangen worden und zu viele Chancen wurden leichtfertig vergeben. Buxtehude habe den Sieg verdient, aber der Kopf habe bei der HSG nicht richtig gearbeitet. Auch mit der Torhüterleistung auf der eigenen Seite war sie nicht zufrieden, im Gegensatz zur Leistung von Debbie Klijn. "Wir haben uns das Leben schwer gemacht und blöd geworfen. Wir haben gewußt, dass Debbie eine gute Torhüterin ist, aber wir haben ihre Schwachstelle nicht genutzt. Meine Spielerinnen haben zu viel 'Schiss' gehabt.", so Barna wörtlich. "Wir können besser spielen, wir können eine bessere Abwehrleistung bringen und besser werfen!", so Barna zum Abschluss.

 

 

Für die Flames spielten

Laura Glaser (1.- 22. und 28.-60.) und Weena Ghosh (22.-28.) im Tor

Stefanie Egger 7/4, Michele Hörr (n.e.), Sandra Kleinjung 1, Antje Lauenroth 1, Melani Marcantonio, Isabell Nagel 2/1, Edina Rott 8/1, Olga Savanyu 1, Cornelia Schmid 1, Claudia Schückler 1, Petra Streb.

 

Für den BSV spielten

Debbie Klijn und Anja Reiner im Tor

Christina Vogt 4, Natasa Kotenko 6/2, Janne Wode 1, Katharina Schulz 4, Melanie Lorenz 2, Susanne Henze 5, Jana Stapelfeldt 5/1, Julia Lupke 1, Franziska Hipler 1, Anja Neumann 1.

Strafwürfe

Flames: 9/6 (Rott und Nagel scheitern an Reiner, Egger wirft über das Tor)

BSV: 4/3 (Kotenko scheitert an Glaser)

 

Zeitstrafen

Flames: Rott 1x2 min, Marcantonio 2x2min

BSV: Disqualifikation Neumann (22.), 1x2min Stapelfeldt

 

Schiedsrichter

Bernd Andler (Remseck) / Harald Andler (Stuttgart)

 

Spielfilm

2:0 (4.), 2:2 (7.), 3:3 (8.), 3:6 (14.), 5:6 (16.), 5:9 (20.), 8:12 (24.), 10:15 (29.), 11:15 (29. Halbzeitstand)

13:15 (32.), 15:16 (35.), 16:17 (38.), 16:21 (43.), 17:23 (46.), 21:24 (49.), 21:29 (59.) 22:30 (60. Endstand)

 

Zuschauer

laut Spielbericht 800 zahlende